Bereits gegen 8 hatte ich erstmals geduscht. Gebracht hatte es nichts, aber zumindest kam ich nicht stinkend zum Frühstück, was durchaus lecker war. 
Nachdem ich das Gepäck in mühevoller Kleinarbeit an der Desert verzurrt hatte, konnte die Tour gegen 10 weitergehen.

Ja, es war bereits zu diesem Zeitpunkt unerträglich heiß.

Es fühlte sich an wie durch einen Backofen zu fahren. Die Desert verursachte bei Ampelwartephasen zusätzliche Hitze. Ich weiß wirklich nicht wie ich es diplomatisch ausdrücken kann. ES WAR UNERTRÄGLICH.

Und es war eine Zeitreise, zurück in die DDR. Bereits in Eisenhüttenstadt, als ein roter Wartburg vor mir fuhr, hatte ich das Gefühl zeitlich zurückversetzt worden zu sein.
Die Straßenlaternen, Pflasterstraßen und Häuser sagten eindeutig aus, dass es vor 1989 war.

Ach, übrigens hatte ich mich entschieden nach Polen zu fahren, es war der kürzeste Weg zur Ostsee, zumindest auf der Karte.
Begleitet von alten Baumalleen, Kanälen und wilden zugewucherten kleinen Flüsschen traf ich irgendwann in der Nachmittagshitze in Stettin ein. 
Falls ich bis dato gedacht hatte, es wäre heiß gewesen, musste ich hier feststellen, dass die Asphaltstreifen zwischen den Häusern genügend zusätzliche Wärme erzeugten, um mich zu braten. Wie in Trance düste ich durch, ich muss zugeben ausgefeilte Ampelschaltungen, bis hin zum Hotel.

Und, als ich eintrat… es war kühl, angenehm, auch das Zimmer, welches königlich ausgestattet war.
Ich verlies das Zimmer vorerst nicht, konnte ich doch erst hier wieder klare Gedanken fassen.

Doch wollte ich Stettin eine Chance geben, eine zweite. Vor Jahren war ich bereits in dieser Stadt und hatte den Rückweg nach Deutschland bereits nach wenigen Minuten wieder angetreten, nachdem an einer Ampel (Lichtzeichenanlage) ein unbekannter polnischer Mitbürger die Tür des damalig von mir genutzten Pkw aufriss.

So spazierte ich durch Stettin, mit großer Enttäuschung, denn es war nicht schön, zumindest dort wo ich langlief. Wahrscheinlich trug auch die Hitze und die Dehydrierung zur Wahrnehmung bei. Aber ehrlich, die ganzen Betonblöcke (Wohnhäuser) um mich herum, passten einfach nicht in mein Bild ansehnlicher Architektur. 
Am Hafen nahm ich ein kühles Bier, was mir half die „Schönheit“ der während des Krieges fast zu 90% zerstörten Innenstadt zu „genießen“.
Meine Laune, ich hatte seit dem Frühstück nichts gegessen, wurde mit der Suche nach Essbarem nicht besser. Als ich dann von einer „netten“ Mitarbeiterin eines Steakhauses schnippig angesprochen wurde (sie wollte mich im leeren fast 500 Grad heißen Innenraum des Restaurants platzieren), gab ich auf und ging zurück zum Hotel.

Aber… dort erwartete mich ein festliches Mahl auf höchstem kulinarischen Niveau. Von einem leckeren Riesling begleitet, glitten die tollen Speisen wie von selbst in meinen viel zu dicken Bauch.

Nachts im klimatisierten Zimmer eingetroffen, verfiel ich in einen tiefen Dornröschenschlaf. 

P.S. ich musste mich zudecken, weil es zu kühl war.