Tag 1. 

Eigentlich weiß ich gar nicht, wann ich meine letzte richtige Motorradtour gemacht habe. Es war sicher mit Lars Graefe, in England. Die Tour fiel damals ins Wasser. Unsere Kleidung konnte keine Flüssigkeit mehr aufnehmen, als wir auf dem M4 zurück nach Wokingham fuhren.
Die letzte wirkliche Motorradtour war jedoch meine erste, auch mit Lars, damals auf einer XT 600. Die Tour war anstrengend, ich entwickelte beim Fahren Schmerzvermeidungstechniken, um überhaupt erstmal nach UK zu kommen. Aber es war die intensivste und erlebnisreichste Motorradtour. 
Das war wohl auch der Grund wieso ich mir diese Desert Sled zulegte, vor… ich glaube 3 Jahren. Sie ähnelt der XT sehr und bietet zumindest ein klein wenig „weniger“ als alle anderen Motorräder in der heutigen Zeit.
Da nun „nur“ dieses Motorrad am Abreisetag verfügbar war, entschloss ich mich es einfach zu versuchen.
Eine kleine Abenteuerreise, mit wenig Gepäck und einem einfachen Motorrad. (Ich weiß, dass es keine XT ist und dadurch noch viel zu viel Komfort bietet… aber ich bin auch keine 25 mehr).
Die ersten Kilometer waren herrlich. Es war noch relativ frisch (knapp 28 Grad), der Wind pfiff mir um die Nase (hatte das Visier offen) und um Arme und Beine (ich hatte auf Motorradkleidung verzichtet).
Die Reise durfte nach meinen eigenen Beschränkungen nur abseits der Autobahn stattfinden und so rollte ich gemütlich Richtung Osten, Richtung Neiße, Richtung Oder.
Die Temperaturen stiegen weiter, die 30 Grad waren schnell überschritten. Hier bemerkte ich meinen „kleinen Denkfehler“, denn meine Haut an Armen und Beinen nahm bereits eine intensive Rotfärbung an. Egal.
Nach ca. 300 km traf ich im schönen Neuzelle, unweit von Eisenhüttenstadt, ein. Nachdem ich meine Unterkunft bezogen hatte, suchte ich sogleich die Klosterbrauerei auf und genoß ein kühles Bier (Schwarzer Abt).
Meine Motorradkleidung, T-Shirt und Hose, war bereits trocken, als ich vom Getränk in die Unterkunft zurückkehrte.
Der einzige Wermutstropfen an diesem Tag waren die unzähligen Mücken, die aus dem Klosterteich emporzogen, um mich zu zerstechen. Bei 20 Einstichen hörte ich auf zu zählen.