Ich bin noch etwas verschlafen, nach dem gestrigen, doch sehr langen Tag.

Den Tagesbericht zu Tag 5 schrieb ich am Frühstückstisch, auf der Terrasse des Ringhotels. Ich benötigte wie jeden Morgen ewig, um in die Gänge zu kommen. Das leidige Einpacken der ganzen Sachen, die ich, auch wie immer, am Abend zuvor aus den kleinen Seitentaschen sowie dem Tankrucksack aufs Bett schleuderte, presste ich mit Schweiß auf der Stirn zurück in die Transportböxchen. Ich hätte kleiner werden müssen. Sowohl die riesigen Schuhe, wie auch meine Kleidung in Übergröße, nehmen einfach zu viel Platz weg. Ich nahm mir vor eine Größen- und Gewichtreduktion in Angriff zu nehmen.

Bei Abfahrt in der Schorfheide war es angenehm kühl. Die Desert Sled bollerte gewohnt unangestrengt durch den Wald.

Ich fuhr Richtung Wandlitz, um Erich einen Besuch abzustatten. Natürlich war er nicht da.

Dann durchfuhr mich eine tolle Idee. Ich könnte ja durch Berlin fahren, liegt ja direkt daneben.

Gesagt, getan. 

Nach wenigen Ampeln (Lichtsignalanlage) erkannte ich bereits die Widersinnigkeit meiner Idee. Übrigens geht es mir oft so, dass ich nach kurzer Zeit feststellen muss, dass meine supertollen Ideen gar nicht so toll sind. Was solls. Erst probieren, dann meckern.

Berlin überforderte mich, weniger der Straßenverkehr, vielmehr die Unmenge an Eindrücken. Fernsehturm, Brandenburger Tor, Reichstaggebäude, Potsdamer Platz.

Ich legte eine Pause ein, unweit der Siegessäule, in einem Park. Ich kann hier gerne nochmal auf die abartigen Temperaturen eingehen. Sowohl am Bauch, wie am Rücken, erstreckte sich ein Rinnsal körperlicher Kühlflüssigkeit. 

Nach der kleinen Pause quälte ich mich über die B96 in Richtung B101. Was für eine dämliche Idee. Stau. Ich konnte nicht mal mit der schmalen Ducati durch die Autos und Lastkraftwagen hindurchfahren, so eng stand die Blechschlange vor mir. 

Gegrillt erreichte ich die extrem langweilige B 101 und zog erstmal bis Luckenwalde durch. Der Ducati war das egal, sie konnte langsam und schnell. 

In Luckenwalde musste ich auch wieder eine längere Pause einlegen. Mein Mund war vom Fahren mit offenem Visier völlig ausgetrocknet. Die Fahrt glich ja auch einem Ritt durch die Hölle, zumindest hinsichtlich der Temperatur. 

Man hat so viele Gedanken beim Motorradfahren. Ich wurde nostalgisch und suchte auf dem Weg nach Hause noch eine alte Wirkungsstätte auf.

1994 schützte ich gemeinsam mit vielen anderen Grundwehrdienstleistenden Deutschland, von Montag bis Freitag. Am Wochenende war der Schutz „nicht“ notwendig. 
Im Fliegerhorst Holzdorf absolvierte ich damals einen Teil meines Grundwehrdienstes, als Flugbetriebsspezialist (was für ein Wort), übrigens gemeinsam mit einem Freund, dem ich sogleich ein Bild schickte. Es war damals eine interessante Zeit, in der ich feststellen musste (mir jedoch nicht eingestand), dass weder Aufenthalte in abgesperrten Arealen, noch der Umstand des Empfangens von Befehlen, mein „Favorit“ sind. 

Erfahrungen sind Erfahrungen und wichtig für die Entwicklung. (meine zumindest)

Von Holzdorf aus fuhr ich langsam und gemütlich Richtung Heimat. 

In Torgau legte ich eine Eispause ein. Genießen konnte das leckere Eis jedoch nicht, dem stand der Angriff fieser unzähliger Wespen entgegen. Als ich meine Chancenlosigkeit im Kampf gegen diese miesen Dinger erkannte, hüpfte ich zurück aufs Krad und floh.

Trotz meines regelmäßig auftretenden Fernwehs kehre ich gerne in die Heimat zurück. Die Fahrt durchs Muldental, durch Grimma, kann ich einfach nur als schön bezeichnen (Schön ist die Antwort meiner Mädels, wenn ich sie frage, wie es so war… egal was).

Ca. 10 KM vor meinem Heim erfasste mich meine Briefkastenphobie. Mit dieser Angst stellte ich die Ducati vor der Garage ab und lief mit zitternder Hand zum Briefkasten.

Ich entspannte, es waren keine farbigen Briefe, nur der übliche Müll, der Nerven und Zeit kostet.

In diesem Sinne… melde ich mich von der anstehenden Harztour, die wohl von Gewittern begleitet werden soll.